Alltag

Barrierefreies Bauen auch auf dem Friedhof

Beim barrierefreien Bauen denken wir schnell an die eigenen vier Wände, Haltestellen oder öffentliche Gebäude. Der Friedhof wird auch in der Stadtentwicklung bei Gestaltung und Etat häufig übersehen. Dabei ist gerade dieser ein Ort, an dem ein leichter Zugang unverzichtbar ist.


Der Friedhof ist eine öffentliche Einrichtung und sollte deshalb prinzipiell von allen benutzbar sein. Gerade dort finden sich häufig ältere Menschen, die eine barrierefreie Gestaltung benötigen. Dennoch sind viele Friedhöfe immer noch schwer zugänglich – dabei wären es oft bloß ein paar Veränderungen, die eine wesentliche Erleichterung verschaffen würden.

Barrierefreies Bauen unter erschwerten Bedingungen

Gerade sehr alte Friedhöfe oder solche mit historisch wertvollen Bauten sind besonders schwierig umzugestalten. Die Planung des behindertengerechten Umbaus wird erschwert, wenn die Gräber z.B. zu dicht beieinanderliegen und so die 1,20 Meter Wegbreite für einen Rollstuhl nicht ermöglichen, oder dicke Wurzeln alter Bäume eine Pflasterung erschweren.

Viele Friedhöfe in Deutschland sind dementsprechend noch beschwerlich zu begehen. Einige verfügen über schwer zu öffnende Eingangstore, andere sogar über Treppen im Eingangsbereich oder auf dem Friedhof. Solche Örtlichkeiten rollstuhl- oder rollatorengerecht zu gestalten ist, oft eine kostspielige Aufgabe der Gemeinden und Städte.

Mit Rollstuhl oder Sehbehinderung sicher auf dem Friedhof

Allerdings gibt es Maßnahmen, die leicht umzusetzen sind und den Aufenthalt auf dem Friedhof behinderten Personen sehr erleichtern können. Zum Beispiel sorgen ausreichend Sitzmöglichkeiten mit Platz für den Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator daneben für angenehme Ruhepausen. Die Hilfsmittel für die Gartenarbeit sollten niedrig aufgehängt und gut erreichbar sein, die Abfallbehälter ebenfalls.

Kontrastreiche Pläne in großer Schrift können die Orientierung auf dem Friedhof erleichtern. Und eine kleine Barriere von einigen Zentimetern Höhe am Wegesrand erleichtert Personen mit Sehbehinderung das Zurechtfinden. Behindertengerechte Parkplätze, mindestens drei, sind direkt neben dem Friedhof eigentlich ein Muss – jedoch sind leider oft gar nicht oder zu wenige vorhanden.

Auch eine gute Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ein barrierefreies Café und ein nahes Lädchen, in dem benötigte Sachen leicht zu beschaffen sind, gehören zu einer behindertengerechten Friedhofsgestaltung. Die meisten dieser Umbauarbeiten sind nicht sehr kostspielig – und immer mehr Gemeinden beginnen mit eben diesen Maßnahmen, ihre Friedhöfe besser zu gestalten.

Barrierefreiheit bei Beerdigungen

Besonders bei Beerdigungen ist es wichtig, auf Barrierefreiheit zu achten. Dabei geht es nicht nur um den Zugang zur Kirche oder zum Friedhof. Denn auch bei der Zeremonie an sich werden die Bedürfnisse behinderter Personen oft nicht berücksichtigt. Bis jetzt bieten noch wenige Gemeinden Hilfe beim Verständnis der Predigt in Form von z.B. einem Gebärdesprachendolmetscher.

Allerdings rückt die Friedhofsgestaltung im barrierefreien Bauen immer mehr in den Mittelpunkt, sodass wir die Hoffnung auf flächendeckende barrierefreie Friedhöfe noch nicht begraben müssen.

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