HIV. Positiv. Bamm. Eine Erkrankung, die dich für den Rest deines Lebens begleitet, dich geistig lähmt, Vorurteile schürt und dein Leben nicht nur bezüglich deiner Gesundheit auf eine Harte Probe stellt.
Wir alle wissen, was AIDS bedeutet. Wir wissen, dass es durch Sperma und Blut übertragen wird und mit Präservativen verhindert werden kann. Das muss ich jetzt nicht ausführen und ein Kondom hatten sicher alle auch schon mal in der Hand.
Fakt ist, dass HIV-positive Menschen gesellschaftlich immer noch ganz weit im Abseits stehen, so, als wäre der bloße Anblick schon ansteckend. Offen würde das natürlich keiner zugeben. Aber unterschwellig spüren kann man es sehr deutlich. weiterlesen »
Mein bester Freund arbeitet seit einer ganzen Weile als Zivieldienstleistender. Anstatt die Waffe hoch zu halten, wollte er dem Sozialen Dienst helfen – und arbeitet jetzt jeden Tag mit behinderten Menschen zusammen.
Ausgerechnet mein stiller, in sich gekehrter bester Freund, der gerne Computerspiele ,,zockt” und am Wochenende feiern geht. Jemand, der im ersten Moment nicht auffällt, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte und der sich eine Zivi-Stelle hat zuweisen lassen – weil es ihm ohnehin völlig egal gewesen ist.
Und jetzt sitzt er Tag ein, Tag aus zwischen Menschen, die geistig und/oder körperlich behindert sind, kauft Zigaretten für sie ein, tröstet bei Liebeskummer und hört sich verzweifelte Selbstgespräche an. weiterlesen »
Diese Geschichte berührt derzeit Deutschland: Ein einigermaßen junges Mädchen heiratet mit Anfang zwanzig einen Mann. Das Glück glänzt hochpoliert aus allen Fugen, bis es einen tiefen Kratzer abbekommt: Ihr Mann hat Krebs.
Das alleine liest sich schon wie aus einem schlechten Drama. Irgendwie mag man gar nicht weiter lesen, diese Tragödie kratzt an den tiefsten Eingeweiden der eigenen Seele. Der wahr gewordene Alptraum.
Das Mädchen ist so alt wie ich – Anfang zwanzig. Verliebt sich Hals über Kopf in den berühmten Nachbarsjungen, der schüchtern zu ihr herüber lächelt. Die Liebe ist groß, die Herzen und Träume ebenso, deshalb beschließen die beiden, schnell zu heiraten. Kinder, gemeinsame Wohnung, alles erscheint wie ein Traum aus einem Jahrhundertsommer. Der Himmel ist immer blau, die Straße flirrt und die Finger kleben von zuviel süßem Eis. weiterlesen »
Beim Surfen durch das Inernet bin ich über einen schon etwas älteren, erschütternden Artikel gestolpert. Eine Frau, glücklich schwanger, die ihr behindertes Baby abtreibt.
Ich habe ja schon vor einigen Monaten mal darüber geschrieben, was ich über Spätabtreibungen denke, wenn es darum geht, Babys mit einer Behinderung abzulehnen.
In dem Artikel geht es um eine Frau, die ein normales Leben führt. Mit einem Mann, der mehr oder weniger zuverlässig ist, durchschnittlichem Kinderwunsch und einem plötzlich rund gewordenen Bauch. weiterlesen »
Der gebürtige Pole Wojtek Czyz setzt seinen Erfolg bei den Paralympics fort und gewinnt auch in diesem Jahr wieder Gold im Weitsprung. Der Oberschenkelamputierte Czyz gewann bereits in Athen 2004 Gold in dieser Disziplin.
In diesem Jahr kommt aber noch der Weltrekord dazu. Gleich im ersten Versuch sprang der Deutsche 6,50 Meter und 80.000 Menschen im Pekinger „Vogelnest“ waren aus dem Häuschen. Seine drei Finalversuche waren anschließend zwar alle ungültig, aber was macht das, wenn man bereits im ersten Versuch allen davon gesprungen ist.
Auf Grund eines Mittelfußbruches musste Czyz in diesem Jahr länger pausieren und ging deshalb bei den 100 und 200 Metern nicht an den Start.
Die Basketballdamen holten Silber und mussten sich gestern erwartungsgemäß den US- Amerikanerinnen geschlagen geben, die mit 50:38 gewannen.
Die Kugelstoßer Birgit Pohl und Mathias Mester gewannen ebenfalls Silber. Der 54- jährigen Pohl, die an einer schlaffen Lähmung beider Beide und eine Teillähmung des linken Armes leidet gelang gestern ein bemerkenswertes Comeback. Nach einer Krebserkrankung konnte sie erst 2006 wieder ins Training einsteigen und konnte sich trotzdem gegen viele jüngeren Konkurrentinnen durchsetzen.
Dr. Roger Kusch hat einer alleinstehenden Renterin aus Würzburg, die aus Angst vor dem Altersheim Selbstmord begehen wollte, Beruhigungsmittel und Medikamente in tödlicher Dosis verabreicht. Kusch filmte den Vorgang und verließ vor dem Tod der Frau das Haus, damit er nicht rechtlich belangt werden konnte.
Sterbehilfe ist ein Thema, was uns alle angeht. Vor allem, wenn es in einer derartig widerwärtigen und zynischen Weise zur Selbstdarstellung eines Ex-Politikers benutzt wird. Dadurch werden jegliche Versuche, mit dem Thema sensibel oder verantwortungsbewusst umzugehen, zunichte gemacht. Dass Kusch seine Aktion mit dem Label “Sterbehilfe” versieht, ist sowieso ein Witz, weil die betreffende Frau ein psychisches Problem hatte und nicht einmal ein unheilbares.
Was jetzt folgt, ist klar: Wann immer das Wort Sterbehilfe aufkommt, wird Kusch als Negativbeispiel angeführt werden. Das soll nicht bedeuten, dass ich eine Sterbehilfe generell gutheißen würde.
Meiner Meinung nach ist es einfach ein Unding, dass bereits im Vorfeld jeder Gedanke über ein Thema zunichte gemacht wird, nur weil ein Ex-Politiker mit einer selbst entwickelten “Tötungsmaschine” für einen Verein namens “Sterbehilfe e.V.” wirbt. Vielleicht sollten wir uns ein weniger verseuchten Begriff zum Diskutieren aussuchen.
Letzte Woche, in der Nacht zum 2. Mai, ist Ursula Eggli gestorben. Die 1944 in der Schweiz geborene Schriftstellerin Eggli war zu Lebzeiten berühmt für ihr Engagement für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von behinderten und nicht-behinderten Menschen.
Ihr erster Roman ist auch ihr bekanntester: “Herz im Korsett” zeigt aus Egglis Perspektive den Alltag eines Menschen, der im und mit dem Rollstuhl lebt. Das Buch ist ohne Kitsch und Sentimentalität geschrieben, dafür sehr klug und offen. Für viele Leute war das Buch ein Meilenstein in der eigenen Geschichte, weil es ihnen gezeigt hat, dass sich Aufgeben nicht lohnt und die “Norm” der Gesellschaft nur eine Konvention ist. Jeder ist genauso Mensch wie jeder andere Mensch.
Ursula Eggli litt unter zunehmendem Muskelschwund. Wie Kobinet berichtet, war sie außerdem in verschiedenen Gleichberechtigungs- Bewegungen aktiv, außerdem aktives Mitglied von Ads. Sie war also ein Mensch, der in beiden Welten tätig war und so viel wie möglich versucht hat, die Kluft zwischen der Norm und denen, die ihr nicht ganz entsprechen, zu schließen. Ein Mensch, der viel für Verständigung und Integration behinderter Mitmenschen getan hat. Ihr Erbe wird hoffentlich fortdauern.