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Behinderungen im Alltag
 


Körperlich und geistig behinderte Menschen, die Kinder kriegen – verwerflich oder ganz normal?

Autor: Julia
abgelegt in: Eltern und Kinder

Das ist eine Frage, die eine Gradwanderung durchläuft. Da werden plötzlich mit leeren Phrasen wie ,,Menschenrechte” und ,,Menschenwürde” um sich geworfen, aber so richtig was sagen tut niemand.

Wenn behinderte Menschen sich dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen, sorgt das oft für hitzige Diskussionen in der Umgebung © Pixelio/Moorteufel

Hier gehen die Meinungen aber auch sehr weit auseinander, wahre Abgründe klaffen zwischen den einzelnen Parteien. Das Zwischenland betritt aus Angst niemand, denn dieses Grauding zwischen dem Schwarz und Weiß verlangt Verantwortung und Mut, da die hier lauernde Aufgabe sicherlich keine einfache ist.

,,Wenn beide eine Erbkrankheit haben, gefährden sie ja das Kind!”
,,Wie kann man etwas gefährden, das noch gar nicht da ist?”
,,Kinder kriegen ist das Recht aller Menschen!”
So oder so ähnlich könnte die geführte Diskussion aussehen, die beim Stammtisch passiert, wenn eine behinderte Mutter sich am Tisch nebenan um ihr Neugeborenes kümmert. Irgendwie drückt sich jeder um die klare Antwort und vertritt erst einmal unwichtige, nichtssagende Plattitüden, die den Rahmen für die eigentliche Frage bilden. Frei nach dem Motto: Aber ich hab´ja was gesagt!
Eben nicht. Nichts wurde gesagt und so richtig weiter wissen, tut jetzt auch niemand.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das ganz radikal gehandhabt: Behinderte Frauen wurden einfach ungefragt zwangssterilisiert. Behinderte Kinder waren keine Kinder, sondern häßliche Schandflecke, die beseitigt werden müssen. Gut, dass die Zeiten jetzt vorbei sind! Oder…?! Denn sind sie überhaupt so richtig vorbei? Viele Menschen gestehen besonders behinderten Paaren ihren Kinderwunsch nicht zu. So, als wären sie nicht würdig, ein Baby zu zeugen. Während wieder andere mit wehenden Fahnen pöpelnd plärren, dass es nicht nur ein Wunsch sein darf, sondern ein Recht sein muss. Das Recht auf Leben nämlich.

Ich finde: Wer kann und will, bitte schön, der soll sich doch nicht dabei aufhalten lassen. Denn das ist immer noch eine ganz eigene, persönliche Entscheidung, die da gefällt wird und sollte auch nicht von der Gesellschaft abgenommen werden. Wir sind ja mittlerweile Gott sei Dank soweit, dass Menschen sich Hilfe holen können, dass sie mit der Aufgabe ,,Elternsein” nicht gänzlich alleine dastehen. Warum soll eine geistig behinderte Frau keine Mutter sein dürfen, wenn sie doch Hilfe dabei bekommt?
Die Frage ist doch: Was ist das wichtigste für ein Kind? – Genau. Liebe.
Und können behinderte Menschen etwa nicht lieben…? Alles andere sind Rahmenbedingungen, Erziehungsmethoden und Sicherheiten. Und das hatten wir ja schon, hierbei gibt es helfende und unterstützende Möglichkeiten.

Einer Frau das Kinderkriegen zu nehmen ist eine psychologische, biologische und physische Beschneidung. Und fällt bei mir unter die Rubrik ,,seelische Grausamkeit”. Dann sollte man auch soweit gehen, zu fragen: Dürfen unterdurchschnittlich intelligente Menschen Kinder kriegen? Und wie ist das mit den unzuverlässigen, unverantwortlichen Menschen, die es nicht schaffen, ihren Hamster zu füttern? Wie ist das mit denen, die von ihren eigenen Eltern misshandelt wurden? – Rein wissenschaftlich betrachtet besteht ihr ja auch eine fünfzigprozentige Chance, dass bei nicht vorhandener Intelligenz, dieselben ,,Fehler” begangen werden.

Das kann man nicht miteinander vergleichen und so darf man nicht fragen? Aha! Genau. Die Frage ist nämlich generell die falsche. Man sollte stattdessen fragen: Was kann man tun, um Menschen generell zu helfen, ihre Aufgabe voll auszuführen? Wie kann man Menschen mit Behinderung auffangen, die hierbei Hilfe suchen? Und wie verhelfe ich einem behinderten Paar mit Kind zu ihrer eigenen Selbstständigkeit?


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7 Kommentare to “Körperlich und geistig behinderte Menschen, die Kinder kriegen – verwerflich oder ganz normal?”

  1. Alexander Geifes schreibt:

    Hallo Julia ich konnte mir die website zwar nicht merken aber ich finde dein bericht sehr intressant und völig berechtigt. Ich finde in der heutigen zeit hat jeder das recht muter zu werden. danke für diesen schönen und aufsclußreichen text Ihr Herr alexander geifes.

  2. Julia schreibt:

    Hallo Alexander! :-)

    Danke für Deinen lieben Kommentar!
    Schön, dass Du meinen Bericht interessant gefunden hast. Ich finde auch, dass jede Frau das Recht dazu hast!

    Sehr gerne… vielleicht besuchst Du mich ja wieder? :-)

    Lieben Gruß!

  3. Gabriele Kühne schreibt:

    Hallo Julia
    Bin auf deiner Seite gelandet weil ich auf der suche war ob Geistig behinderte Babys bekommen können oder dürfen.Ein toller Bericht. Meine Tochter 20 Jahre ich auch Geistig Behindert und ist Schwanger sie möchte es behalten und ich würde sie auch unter stützen als sollten wir und nicht irre machen lassen von den Behörden ? schreib mir bitte mal deinen Rat.
    Mit freundlichen Grüßen

    Gabriele Kühne

  4. Marcella schreibt:

    Sind tatsächlich ein paar gute Denkansätze dabei. Natürlich fragt man sich vor allem bei genetisch bedingten Behinderungen, ob man das Risiko einer Vererbung eingehen darf und kann. Und auch bei schwer beeinträchtigten Eltern wirft sich manch Frage auf..
    Komisch, dass sich diese nicht bei workaholics, stöckelschuhtragenden Tussen oder couchpotatos stellen. Mein Mann ist Tetraplegiker und unternimmt mit seinem Sohn sicher mehr als viele körperlich gesunde Eltern! Auch was Menschlichkeit, Perspektive, Motivation und Erfahrungsschatz betrifft, sind wohl viele behinderte Menschen anderen weit voraus. Ich hoff die Gabi ist mittlerweile glückliche Omi eines gesunden Enkels und ich wünsch Ihrer ganzen Familie alles Gute!!!

  5. Anja schreibt:

    Ich bin 50% Schwerbehindert(Fehlen der Linken Hand ) und Arbeite an einer Schule für Geistigbehinderten . Ich hate für mich klargemacht ,das wenn es Vererblich ist Ich keine Kinder in die Weld setze .
    ich habe viel durchgemacht in der Schule als Kind auf der Arbeit im Privatleben und das wolte und Konnte Ich nicht meinem Kind zu muten . Aber Ich wünsche es kainer Frau vor dieser Etscheidung zu stehen ,das muß jeder mit sich aus machen .Nur es sollte keiner vor den Ergebnis davon Laufen .

  6. Sarah schreibt:

    Hallo Julia,

    Ich finde das Elternschaft gerade für Menschen mit Lebenserschwernissen eine Herausforderung darstellt und diese sich in der Gesellschaft stark behaupten müssen. Gerade da Jugendämter schnell Vorurteilen erliegen und teilweise das Denken vorherrscht das z.B. Erziehungsfähigkeiten nicht oder kaum erlernt werden können oder Eltern aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung nicht in der Lage sind bestimmte Tätigkeiten mit dem Kind zu verrichten. Doch wenn man sich einzelne Lebensgeschichten oder Berichte im Fernsehn ansieht, so kann man sich von Gegenteil überzeugen. Es kommt doch nicht darauf an was die Person nicht kann, sondern welche Stärken sie hat und wie sie ihre Fähigkeiten nutzen und neue erlernen kann. Leider werden heutzutage noch viele Steine in den Weg gelegt, sodass es viel Kraft und Mut braucht um sich den Ämtern gegenüber zu behaupten.
    Ich beginne auch gerade meine Diplomarbeit über das Thema Elternschaft bei Menschen mit einer Behinderung. Leider finde ich sehr wenig aufgezeichnete Lebensgeschichten. Ich habe bereits “im Fall Kaminski” gesehen(den ich wärmstens empfehlen kann)und suche weiter Storys und würde mich freuen wenn du mir vielleicht Bücher oder Filme zu speziell diesem Thema empfehlen kannst.

  7. Thorsten schreibt:

    Hallo Julia!Ich habe soeben deinen text gelesen,einfach nur klasse kann ich dazu nur sagen.Meine Frau und ich sind beide behindertert,wir wollen auch gerne ein kind,haben natürlich auch angst ausgegrenzt zu werden.Dazu kommt dann auch noch das wir beide katholisch sind,und wenn das kind getauft werden soll,das wir keine paten haben,weil wir keine kontakte zu unseren Familien haben und auch keine Freunde.Also könnte das kind somit nicht getauft werden.Dabei wünschen wir uns doch nur ein Kind.

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