Mario Galla, den viele vielleicht noch von seinem Auftritt auf der Berlin Fashion Show 2010 kenne, trägt eine Orthese und hat es trotzdessen ins Modelbusiness geschafft.
Mario Galla, 26, aus Hamburg ist ein erfolgreiches Modell. Die allgemeine Öffentlichkeit wurde auf den jungen Mann jedoch nicht auf Grund von Fotokampagnen, die er bis dahin gemacht hatte, aufmerksam. Erst sein Auftritt auf dem Laufsteg bei der Berlin Fashion Week im Jahr 2010, wo Mario Galla in kurzen Shorts, die seine Orthese zeigten, für den Designer Michalsky über den Laufsteg lief, rückte ihn ins Licht der Öffentlichkeit. Er selbst findet es etwas befremdlich, dass ihn andere als Vorbild sehen, doch er spricht sich auch nicht davon frei, dass er Menschen mit Behinderung Mut macht.
Der Hamburger Mario Galla beschreibt in seinem im September erschienen Buch, „Mit einem Bein im Model-Business“, wie er es vom einfachen Hamburger Jung zum Model geschafft hat, das mittlerweile schon für Größen wie Hugo Boss gearbeitet hat. Der Laie stellt sich ein Model makellos und trainiert, kurz: perfekt, vor. Bis zu einem gewissen Punkt trifft dies auf Mario Galla auch zu. Sein Typ: Er ist hellblond, hat einen schicken Kurzhaarschnitt, blonde Augenbrauen, blonde Wimpern und blaue Augen. Kurz er ist eigentlich makellos.
Eigentlich hat er auch beide Beine, doch von Geburt an hat er rechts eine Oberschenkelverkürzung. „Proximaler fokaler Femurdefekt […] das klingt wie eine Superwaffe in ,Star Trek’”, schreibt er. Die Krankenkasse wollte die Kosten für eine Orthese eigentlich nicht übernehmen, was sie damit begründeten, dass der junge Mario ja nicht unbedingt Fußball spielen müsste. Doch seine Mutter setzte sich durch, sodass er sich zu einem sportlichen jungen Mann mauserte, der auf (fast) nichts verzichten musste. Er spielte Fußball spielen und konnte Snowboard fahren. Nur aufs Autofahren mit Schaltgetriebe muss er verzichten.
Als er vor fünf Jahren in einem Imbiss entdeckt wurde, bemerkte nicht einmal der Scout, dass er eine Orthese trug. Und so verhält es sich ja auch zunächst, wenn er von Designern bei seiner Agentur gebucht wird. Dreht es sich dabei um einen Laufstegjob, so sagt er, ist es am einfachsten, wenn er ihnen zeigt, dass er „…sich schnell umziehen kann….” Über den Unterschiedlichen Umgang mit seiner Behinderung sagt er, dass er vor allem in Mailand und Paris als Model gefragt ist, wohingegen er in Deutschland weniger gebucht wird. Die Kunden hätten in Deutschland mehr Angst und vielleicht Berührungsängste, als Kunden in Frankreich, Italien und England.
Täglich, sagt Mario Gallo, bekomme er bis zu 80 Mails von Fans und Menschen mit Behinderung, die ihn als eine Art Vorbild und Botschafter sehen. Das war ihm anfangs nicht so recht, doch mit der Rolle scheint er sich mittlerweile auch abgefunden zu haben.
Dezember 28th, 2011 um 17:27
Dieser Artikel hat mir sehr gefallen, finde es toll das man soviel erreichen kann.
Und ich kann dem nur zustimmen das es hier in Deutschland ziemlich viele Berührungsängste mit Behinderungen gibt, Ich erlebe es Tag für Tag selber.
Gruß Inken
Februar 10th, 2012 um 17:27
Interessante Geschichte. Es mag sein das der eine oder andere in Deutschland Berührungsängste hat. Schaut man allerdings zu unseren Nachbarn wie Österreich so empfinde ich die Situation dort doch ein wenig drastischer. Nichts desto trotz bin ich auch ein Fan von Mario.
Gruß Daniel