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Barriere im Fernsehen?

Barrierefreiheit wird wohl noch ein langer Weg in unserer Gesellschaft sein, wie ich anhand einer Tv-Serie mal wieder feststellen ,,durfte“.

Da ich keinen Fernseher besitze (mein Laptop ist Trashf√§hig genug ūüėČ ), schaue ich nat√ľrlich auch nicht oft in die sprichw√∂rtliche R√∂hre. Letztens aber schaltete ich den Kasten von meinem Mitbewohner doch mal ein – und landete prompt bei einer Realitysendung.
Namen und Sender werde ich jetzt logischerweise nicht nennen, aber es wurden f√ľr einige Minuten ein behindertengerechter Kindergarten eingeblendet und eine Dame, die mit diesem Metier sonst nicht in Ber√ľhrung kommt, die sich mit den Kindern besch√§ftigen sollte.

Die Eltern der Kinder waren ebenfalls anwesend und spielten mit ihren Spr√∂sslingen. Am Ende gab die Frau noch ein Statement ab: ,,Die Eltern und Kinder schienen richtig gl√ľcklich und gingen wirklich unbefangen miteinander um. Eine Leistung, die meine Achtung verdient.“ So oder so √§hnlich war ihr Wortlaut. Sie selber hat sich wirklich M√ľhe gegeben, aber genau solche √Ąu√üerungen sind es doch, die die nicht vorhandene Barrierefreiheit in Deutschland markieren. Denn: Warum sollten Eltern mit ihren Kindern nicht unbefangen umgehen sollen? Und: Bedeutet behindert sein gleich nicht gl√ľcklich sein? Genau da liegt doch der Hund begraben! Denn solange Behinderte nicht als vollwertige Menschen mit St√§rken und Schw√§chen anerkannt werden, solange wird Barrierefreiheit keine Chance, sondern ein Problem in unserer Gesellschaft bleiben.

Wie soll sich denn ein erwachsener Rollstuhlfahrer f√ľhlen, zu dem man sagt: ,,Wie sch√∂n, du bist ja gl√ľcklich. Erstaunlich!“ Was glauben Sie, wie wird der Mensch sich dabei f√ľhlen? Geehrt? Wohl kaum. Geh√§tschelt? Schon eher. Aber genau das ist es doch, was die meisten Leute nicht wollen: √ľbertriebenes Mitleid. Denn es verhindert einfach die M√∂glichkeit, wirklich unbefangen miteinander umzugehen. Es verletzt und diskriminiert und es nimmt den Menschen nie so, wie er tats√§chlich auch ist. Man steht sich mit Mitleid als Gesunder tats√§chlich selber im Weg.

Aufgeregt hat mich das nur, weil es in unseren Medien Nr. 1 gezeigt wurde: dem Fernsehen. Realitysendungen sind nat√ľrlich nicht gerade mit den Abendnachrichten zu vergleichen ūüėČ , aber ihr permanenter Erfolg zeigt doch, wieviele sich dem t√§glichen Schrott hingeben. Und so wird unsere Gesellschaft sch√∂n weich geklopft und weiterhin in falsche Richtungen gepr√§gt.

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